Japanische Akupunktur

Die Akupunktur in Japan ist sehr vielfältig. Hochspezialisierte Therapeuten verwenden unterschiedlichste Systeme, Schulen und Modelle in ihrer Arbeit. Im 6. Jahrhundert von China importiert, ist die Akupunktur seit 1400 Jahren in Japan ein wesentlicher Teil der medizinischen Praxis. Auch wenn die Schulen, die sich entwickelt haben, durchaus unterschiedlich sind, so haben sie doch spezifische Charakteristika:

  • Ziel der Behandlung ist die Regulation der Qi-Zirkulation (also der Ausgleich von Fülle und Leere im Meridiansystem)
  • Behandlungs-Modelle, die vor allem auf der Yin-Yang-Theorie und der Theorie der 5 Wandlungsphasen beruhen
  • Diagnostik u.a. mit Hilfe von Puls- und Bauchpalpation
  • sanfte Nadeltechniken mit dünnen Nadeln (ermöglicht durch die Verwendung des Führungsröhrchens, das im 17. Jht. in Japan entwickelt wurde),
  • die zwei Säulen jeder Behandlung:  die sog. „Wurzel-Behandlung“, die das Meridiansystem reguliert, und die symptom-orientierte Behandlung

Das Forum Japanische Medizin bietet nun an, innerhalb von zwei Jahren einen vertieften Zugang zu zwei in Japan sehr bekannten Akupunktur-Stilen zu erhalten: der japanischen Meridiantherapie und der Akupunktur nach Dr. Manaka. Zusätzlich werden unterschiedliche Methoden der Moxibustion sowie die Behandlung von Kindern unterrichtet.

Japanische Meridiantherapie

ein moderner Akupunktur-Stil, der in einem der ältesten chinesischen medizinischen Lehrtexte, dem Nan Jing, wurzelt.  Im 20. Jahrhundert entwickelt, ist dieser Stil einer der ursprünglichsten Akupunktur-Stile, da hier die Theorien von Yin und Yang und ihre Dynamiken innerhalb der fünf Wandlungsphasen, wie im NanJing beschrieben, ebenso wie die dazugehörigen Handlungsanweisungen umgesetzt werden.

Die Wurzel- oder Grundbehandlung reguliert Fülle und Leere oder Stagnation im System der 12 Hauptmeridiane mit Hilfe der Beziehungen im Ernährungs- und Kontrollzyklus. Diese Regulation setzt eigene Heilungskräfte in Gang, die sich bis auf die Ebene der zangfu (Organe) auswirken. Der an den gegenwärtigen Symptomen orientierte zweite Teil der Behandlung nutzt Techniken wie das Nadeln spezifischer Punkte, unterschiedliche Moxibustions-Techniken, Schröpfen, Bluten lassen und Intradermal-Nadeln.

Das Nadeln erfolgt oberflächlich (max. 3 mm tief) und schmerzfrei mit extrem dünnen Nadeln (0,12 mm bis max. 0,20 mm dick), auch die Technik der Palpation von Punkten ist wesentlich oberflächlicher als wir das von der chinesischen Akupunktur kennen. Die Behandlung entwickelt sich in ihrem Verlauf. Durch kontinuierliche Puls- und Bauchkontrolle erkennt der Behandler die zu behandelnden Punkte.
Die Patienten-Compliance ist sehr hoch, da die Behandlung als sehr angenehm und entspannend empfunden wird.

Akupunktur nach Dr. Yoshio Manaka

Dr. Yoshio Manaka (1911-1989) ist in Japan einer der bekanntesten Therapeuten des 20. Jahrhunderts. Er entwickelte ein sehr strukturiertes und einfach anzuwendendes Akupunktur-System, das sehr gute klinische Resultate zeigt. Dieses System, das Dr. Manaka „Ausgleichstherapie der Yin-Yang-Leitbahnen“ nannte, beinhaltet einzigartige Behandlungs-Methoden in Kombination mit Behandlungstechniken wie Moxibustion, Intradermal-Nadeln, Blutenlassen spezifischer Punkte, Bewegungsübungen aus dem „Sotai“ ( japanische Heilgymnastik) und vieles andere mehr.

Mit dem von ihm entwickelten Oktaeder-Modell der acht außerordentlichen Leitbahnen erweiterte er das Wissen um die Akupunktur erheblich. Auf Grundlage dieses Modells werden Punkte mit Kabeln verbunden, die den bioelektrischen Strom im Inneren ausrichten und die Balance im Körper durch das Aktivieren der außerordentlichen Gefäße wiederherstellen. Zentrale diagnostische Methode ist hier die Bauch-Palpation.

Auch hier werden dünne Nadeln oberflächlich eingestochen. Die Behandlung wird sehr individuell auf die Bedürfnisse des Patienten abgestimmt.

Pädiatrische Behandlung: Shonishin

Shonishin ist eine einzigartige Methode, die das kindliche Meridiansystem reguliert, ohne invasiv zu arbeiten.  Auch hier werden Fülle und Leere im System über Bauch- und wenn möglich Pulspalpation diagnostiziert, und die betreffenden Punkte  mit einer abgerundeten Nadel stimuliert. Kinder reagieren sehr sensibel und schnell auf diese Behandlung, so dass die Behandlungszeit nur zwischen drei und zehn Minuten beträgt.

Zu Beginn der Behandlung werden die Meridiane mit speziellen, abgerundeten Instrumenten ausgestrichen, gerieben oder geklopft. Dies wird auch den Eltern beigebracht und als tägliche Übung mit nach Hause gegeben. Die tägliche Heim-Behandlung trägt sehr zum Erfolg der Behandlung bei.